AGHPT- Fachtagung

Humanistische Psychotherapie in Aktion

Vom 14.-15. Februar 2026 fand an der Sigmund-Freud-Uni Berlin die dritte Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT) zum Thema: Humanistische Psychotherapie in Aktion! statt.

Ein Bericht von Manfred Thielen

Sie war mit ca. 100 Teilnehmer*innen gut besucht, etwa die Hälfte der Anwesenden waren Student*innen und Psychotherapeut*innen in Ausbildung. Im Mittelpunkt standen zwei Fallpanels sowie Workshops aus den verschiedenen Ansätzen der humanistischen Psychotherapie: Gestalttherapie, Körperpsychotherapie, Psychodrama, Transaktionsanalyse und Existenzanalyse/Logotherapie. Sie sind in der AGHPT zusammengeschlossen und haben auf der Tagung ihre Arbeitsweisen praxisnah vorgestellt.

Die Gesprächspsychotherapie war bis 2022 ebenfalls Teil der AGHPT. Im Zuge einer neuen Antragstellung beim Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (2023) verließ sie jedoch die Arbeitsgemeinschaft, um ihre Eigenständigkeit als eigenständiges Verfahren zu unterstreichen.

Begrüßung und berufspolitische Einordnung

Die Vorsitzende der AGHPT, Kathrin Schleitzer, eröffnete die Tagung und begrüßte die Teilnehmenden herzlich. In ihrer Ansprache hob sie die Bedeutung der Humanistischen Psychotherapie als eigenständige Grundorientierung hervor und betonte den Wert gemeinsamer Fachtagungen für Vernetzung, Nachwuchsförderung und fachliche Sichtbarkeit.
Besonders begrüßte sie Manfred Fede (Existenzanalyse und Logotherapie nach Viktor E. Frankl) sowie Florian Schmidsberger (Integrative Gestalttherapie) als Vertreter der österreichischen Community der humanistischen Psychotherapien und unterstrich dabei die Bedeutung internationaler Vernetzung.

Im Anschluss führte Manfred Thielen (Vorstandsmitglied der AGHPT) in die Tagung ein und ordnete sie politisch und berufspolitisch ein. Er benannte zentrale Essentials Humanistischer Psychotherapie, darunter ein humanistisches Menschenbild, die Orientierung am Erleben im Hier-und-Jetzt, die Bedeutung der therapeutischen Beziehung sowie die Förderung von Autonomie, Selbstverantwortung und Entwicklung.

Ankommen und Erleben – ein lebendiger Einstieg

Einen begegnungsorientierten Auftakt gestalteten Anatoli Pimenidou und Martina McClymont-Nielitz auf Grundlage des Psychodramas. In einem Warming-Up mit Bewegung, Kleingruppenaustausch und Rollenübernahmen wurden die Teilnehmenden eingeladen, miteinander in Kontakt zu kommen und sich auf die Tagung einzustimmen. Dieser Einstieg machte unmittelbar erfahrbar, was Humanistische Psychotherapie auszeichnet: Lernen über Erleben, Beziehung und Resonanz.

Falldemonstrationen: Vielfalt humanistischer Ansätze

Für das Fallpanel stellte sich erfreulicherweise der Psychodrama-Kollege Manfred Jannicke als „Modell-Patient“ zur Verfügung. Auf der Grundlage eines zuvor ausgearbeiteten Fallberichts stellte er die Rolle eines Patienten realitätsnah dar. Jede/r Vertreter*in der fünf beteiligten Ansätze hatte jeweils 15 Minuten Zeit, um den eigenen therapeutischen Zugang praktisch zu demonstrieren.

Im ersten Panel arbeiteten Anatoli Pimenidou für das Psychodrama, Karl-Heinz Schuldt für die Transaktionsanalyse und Manfred Thielen für die Körperpsychotherapie mit dem „Patienten“. Im zweiten Panel gaben Frank Köhler aus der Gestalttherapie sowie Ingo Zirks aus der Existenzanalyse/Logotherapie Einblicke in ihre therapeutische Arbeit.

Ziel des Formats war es, sowohl die gemeinsamen Grundlagen der humanistischen Ansätze als auch deren jeweilige Besonderheiten sichtbar zu machen – und damit den aktuellen Stand der Integration innerhalb der Humanistischen Psychotherapie erfahrbar werden zu lassen.

Deutlich wurde zunächst die gemeinsame Haltung aller Beteiligten: Alle Therapeut*innen begegneten dem Patienten mit Empathie, bedingungsloser Wertschätzung und Achtsamkeit und bauten auf dieser Grundlage eine tragfähige therapeutische Beziehung auf. Ebenso erfahrbar wurden das gemeinsame ganzheitliche Menschenbild sowie die Intention, Wachstums- und Veränderungspotenziale zu fördern. Ressourcenorientierung und die Hinführung zu mehr Kongruenz – der Übereinstimmung von Fühlen, Denken und Handeln – sowie zum „wahren Selbst“ wurden in allen Ansätzen sichtbar.

Gleichzeitig traten auch die unterschiedlichen methodischen Zugänge deutlich hervor: Die Weise, in der mit Affekten, Emotionen, Kognitionen sowie mit Beziehungsmustern und -matrixen gearbeitet wurde, variierte zwischen den Ansätzen. Auch der Einbezug des Körpers zeigte Unterschiede – wobei die Körperpsychotherapie hier natürlich einen besonderen Schwerpunkt setzte -.

Für die Teilnehmer*innen waren die Fallpanels sehr spannend, emotional berührend und aufschlussreich, wie ihre Rückmeldungen deutlich machten. Sie konnten die fünf Ansätze der Humanistischen Psychotherapie tatsächlich in Aktion erleben und unmittelbar kennenlernen.

Gerade für Studierende staatlicher Universitäten, an denen in der Ausbildung in der Regel eine deutliche Dominanz der Verhaltenstherapie besteht – vor allem, weil sie einen Großteil der psychotherapeutischen Lehrstühle in Deutschland besetzt –, war diese Erfahrung besonders eindrucksvoll. Viele von ihnen berichteten, dass sie sich von den humanistischen Ansätzen stark angesprochen fühlten und sich künftig für eine stärkere Präsenz der Humanistischen Psychotherapie an den Hochschulen einsetzen möchten.

Während diese Grundorientierung an staatlichen Universitäten bislang nur selten vertreten ist, zeigt sich an privaten Hochschulen ein anderes Bild: An Einrichtungen wie der Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin oder der Universität Witten/Herdecke ist die Humanistische Psychotherapie fester Bestandteil des Curriculums sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudium der Psychotherapie.

Der zweite Tag der Tagung wurde von Dorothea Bünemann, Vorstandsmitglied der AGHPT, musikalisch eröffnet. Durch gemeinsame rhythmische Bewegungen, Klatschen und Gesang wurden die Teilnehmer*innen auf angenehme Weise aktiviert – eine lebendige und verbindende Einstimmung auf den neuen Tag.

Workshops: Praxisnah und erfahrungsorientiert

In jeweils drei Workshops in drei Zeitschienen konnten die Teilnehmer*innen nach den Panels die fünf Ansätze erleben. Die Workshops waren bewusst erlebnisorientiert gestaltet und richteten sich sowohl an erfahrene Praktiker*innen als auch an Studierende. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen, Fragen zu stellen und die Vielfalt humanistischer Methoden im direkten Tun kennenzulernen.

Begegnung, Austausch und Abschluss

Zum Abschluss reflektierten die Teilnehmenden intensiv das Humanistische Menschenbild und die therapeutische Haltung in der Praxis. Im Plenum wurden zentrale Fragen diskutiert: Wie erlebe ich das Menschenbild? Wie gestalte ich meine Haltung? Was nehme ich für meine Arbeit mit? Dabei richtete sich der Blick nach vorn: auf die weitere Integration humanistischer Verfahren, die Rolle der Humanistischen Psychotherapie im aktuellen Diskurs und die Bedeutung solcher Tagungen für eine lebendige, erfahrungsnahe Fachkultur.
Aus Sicht der Veranstalter*innen – und auch nach Auswertung der Feedbackbögen – war die Fachtagung ein voller Erfolg. Viele Teilnehmende äußerten bereits den Wunsch nach einer weiteren AGHPT-Fachtagung im Jahr 2027.

Neben dem fachlichen Programm bot die Tagung viel Raum für persönlichen Austausch, Vernetzung und Begegnung. Die offene und wertschätzende Atmosphäre wurde von vielen Teilnehmenden als besonders bereichernd erlebt.

Fazit: Die AGHPT-Fachtagung in Berlin hat erneut bestätigt, dass Humanistische Psychotherapie kein Sammelsurium von Methoden und Techniken ist, sondern eine Haltung, die den Menschen in seiner Würde, seiner Freiheit und seiner Beziehungsfähigkeit ernst nimmt und in den Mittelpunkt therapeutischen Handelns stellt.

Auch die persönlichen Rückmeldungen der Teilnehmenden spiegelten wider, wie lebendig und praxisnah die Fachtagung erlebt wurde. Viele hoben hervor, dass das Tagungsthema „Humanistische Psychotherapie in Aktion“ tatsächlich eingelöst wurde.

So schrieb der Gestalttherapeut Rolf Heinzmann (Gestalt-Institut Frankfurt/M.):

„Ich fand die diesjährige AGHPT-Tagung sehr gelungen. Vor allem ist sie der Ankündigung ‚Humanistische Psychotherapie in Aktion‘ voll gerecht geworden: Es wurde viel anschauliche Praxis angeboten.
Höhepunkte waren für mich die Plenarveranstaltungen, in denen Vertreter*innen der verschiedenen Fachrichtungen ihre Arbeitsweise an einem Modellklienten gezeigt haben. Man konnte Unterschiede erkennen, aber auch viele Gemeinsamkeiten.
Besonders beeindruckt hat mich die Gestaltung der therapeutischen Beziehung, die in den Rollenspielen sichtbar wurde – unabhängig von den jeweiligen Methoden. Beim Zuschauen habe ich mich selbst immer wieder erkannt. Das hat mich auch für meine eigene therapeutische Arbeit neu sensibilisiert.“

Auch für Studierende war die Tagung eine wichtige Erfahrung. Die Psychologiestudentin Winnie Lam schrieb:

„Die Fachtagung der AGHPT war für mich als Psychologie-Studentin, die sich im heutigen System der Psychotherapie-Berufsmöglichkeiten etwas verloren fühlt, eine klare Bestätigung dafür, dass ich bei der humanistischen Psychotherapie richtig bin.
Zwei Tage lang wurde ich mit Wertschätzung und liebevoller Präsenz an die verschiedenen humanistischen Therapieverfahren herangeführt und durfte ihre Wirksamkeit z.T. auch selbst als Patientin im Rollenspiel erleben. Was für eine augenöffnende Bereicherung!
Ich danke allen Mitwirkenden und Teilnehmenden für die zahlreichen wertvollen Begegnungen voller Inspiration und für Eure wunderbare Menschlichkeit!“

Auch Frank Sielecki vom Szenen Institut Köln hob den Aufbau der Tagung hervor:

„Mir hat die Struktur der Tagung sehr gut gefallen, weil ich in fünf Falldemonstrationen sehr komprimiert einen Einblick in die Arbeitsweise von fünf AGHPT-Verfahren erhalten habe. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich – und zugleich wie einheitlich ‚humanistisch‘ – in den Verfahren gearbeitet wird.
Besonders eindrücklich war für mich die Selbsterfahrung im Körperpsychotherapie-Workshop sowie eine Fallarbeit in der Transaktionsanalyse, die die Arbeitsweise dieses Verfahrens sehr anschaulich gemacht hat.“

Auch die Gäste aus Österreich, Manfred Fede (Existenzanalyse und Logotherapie nach Viktor E. Frankl) und Florian Schmidsberger (Integrative Gestalttherapie), betonten in ihrem Resümee:

„Wir freuen uns, dass trotz der aktuellen widrigen Rahmenbedingungen für die Humanistische Psychotherapie in Deutschland ein so reges Interesse sichtbar wurde – insbesondere bei jüngeren Kolleg*innen.
Die besonderen Qualitäten humanistischer Psychotherapie wurden hier unmittelbar erfahrbar: persönliche Begegnung, Erlebnisorientierung mit allen Sinnen sowie ein Gemeinschaftserleben, das Raum für Vielfalt und Unterschiede lässt. Wir begrüßen besonders den länderübergreifenden Austausch.“