HPT an die Unis! Ein Update der AG Lehre
Seit vielen Jahren gibt es an den deutschen Universitäten eine beunruhigende Entwicklung: Die Lehre in Humanistischer Psychologie und Psychotherapie inzwischen aus den Universitäten verschwunden. Wirklich? Nein, es gibt sie noch die „gallischen Dörfer“, einzelne Institute, die – zumindest in homöopathischen Dosen – Studierenden einen Einblick in Humanistische Psychologie/Psychotherapie ermöglichen.
Dies ist zumindest teilweise den Anstrengungen der etwa 20 Mitglieder der AG Lehre aus den verschiedenen Mitgliedsverbänden der AGHPT zu verdanken. Ins Leben gerufen etwa im Jahr 2020, haben wir in mehreren Anläufen Kontakte zu den Universitäten aufgenommen. Wir haben darüber informiert, dass es durch die AGHPT ein Lehrangebot zur HPT gibt und wir gerne den Studierenden diese Orientierung nahe bringen würden. Einige Universitäten haben wohlwollend reagiert. Privatuniversitäten zeigten sich deutlich (!) offener als staatliche.
Und so vermitteln die Mitglieder unserer AG an einem halben Dutzend Universitäten in rund 20 Veranstaltungen pro Jahr Studierenden Humanistische Psychologie/Psychotherapie. Aus individuellen Rückmeldungen erfahren wir, dass Studierende diese Einblicke in Theorie und Praxis der HPT geradezu „gierig“ aufnehmen. Sind viele doch an der Rezeption der forschungslastigen, evidenzbasierten, akademischen Lehre ermüdet.
Das „Klinkenputzen“ haben wir inzwischen eingestellt – mangels weiterer Erfolge und mangels Kapazität. Unsere Konzepte „stehen“. Was gibt es also noch zu tun?
- Wir bieten die Möglichkeit zur Hospitation für Kolleg*innen, die Interesse daran haben, selbst einmal einen Lehrauftrag in HPT zu übernehmen.
- Wir kooperieren mit Hochschulen, die nicht den deutschen Regularien der wissenschaftlichen Anerkennung von Psychotherapie unterliegen und die ihren Studierenden HPT lehren wollen. Dazu arbeiten wir an der Übertagung unserer Lehrkonzepte auf Felder außerhalb der Psychotherapie.
- Aktuell – Frühjahr 2026 – bereiten wir Video-Produktionen zur Humanistischen Psychologie/Psychotherapie und ihren Realisierungsformen vor: personzentiert-experienzielle Psychotherapie, Transaktionsanalyse, Logotherapie/Existenzanalyse, Gestaltpsychotherapie, Körperpsychotherapie, Psychodrama.
- Wir tauschen uns im Rahmen von regelmäßigen Videokonferenzen über Einheitlichkeit und Vielfalt in den Verfahrensweisen aus. Wir diskutieren über gemeinsame „essentials“ und über Unterschiede in der Praxis. Wir wollen voneinander lernen.
- Wir bilden – implizit – eine Klammer zwischen der AGHPT und ihren Mitgliedsverbänden.
Es dürfte wenige andere Möglichkeiten geben, sich so intensiv mit HPT zu befassen – sei es „nach innen“, sei es „nach außen“ – wie in der AG Lehre. Das macht die Mitarbeit über den berufspolitischen Sinn hinaus persönlich bereichernd.
Roland Raible



