Neue Mitglieder stellen sich vor
Ralf Müller

Dr. Ralf Müller
Selbständiger Logotherapeut (HPP) / Philosoph
Eigene Praxis in Berlin, Mitglied in der GLE-D
Mitglied seit 2025 in der AGHPT

Was hat Dich zur humanistischen Psychologie/Psychotherapie geführt?
Die humanistische Psychotherapie ist für mich angewandte Philosophie und eröffnet ein Feld, in dem ich mit meinen Klientinnen und Klienten die philosophische Dimension des Lebens empirisch erforschen kann. Im Zentrum steht dabei der – etwas vernachlässigte – Begriff des geistig Unbewussten, wie ihn Viktor Frankl geprägt und für das Selbstverständnis der humanistischen Verfahren fruchtbar gemacht hat.

Was möchtest Du in der AGHPT besonders unterstützen oder stärken?
Ich möchte in der AGHPT dazu beitragen, dass der intellektuelle Austausch um Stimmen bereichert wird, die bisweilen in Vergessenheit geraten oder verdrängt worden sind. In diesem Sinn möchte ich die Neugierde stützen und kanonische Verengungen aufbrechen, die uns eher schwächen als stärken. Das Denken von Viktor Frankl beispielsweise wird nicht zuletzt durch die Arbeiten Helmut Dorras, Uwe Böschemeyers, Günter Funkes oder Rolf Kühns bereichert.

Mit welchen Themen oder Fragen beschäftigest Du Dich aktuell in Deiner Arbeit?
Ich beschäftige mich damit, wie Ideen und Konzepte unsere Erfahrungsfähigkeit in der psychotherapeutischen Arbeit erweitern können. Ich sehe die Philosophie dabei vor der Aufgabe, aus der konkreten Erfahrung heraus das Gespräch mit der Psychologie und Psychotherapie zu suchen. Gegenüber den Naturwissenschaften und der empirischen Psychologie sehe ich dafür in der Philosophie zugleich einen uneinholbaren und unabdingbaren Zugang zu unserer menschlichen Subjektivität, wie er im 20. Jahrhundert vor allem in der Tradition der Phänomenologie methodisch fruchtbar gemacht worden ist. Wie über diesen Zugang unser stark medizinisch geprägtes Verständnis von Trauma bereichert, modifiziert und präzisiert werden kann, interessiert mich besonders, da ich gerade eine Fortbildung im Bereich von Psychotraumatologie mache.

Ein Satz über Therapie, der Dich begleitet:
»Eine isolierte Betrachtung von Sinn ohne Bedürfen ist daher in der Logotherapie psychologisch wie existenziell ebenso überwunden wie eine Anerkennung von Bedürfen ohne Sinn.« (Günter Funke/Rolf Kühn, Einführung in eine phänomenologische Psychologie, Verlag Karl Alber, 2005)