Laudatio 2: Karl-Heinz Schuldt /AGHPT


Aushändigung Verdienstkreuz am Bande des 
Verdienstordens der Bundesrepublik für Prof. Dr. phil. Jürgen Kriz[1]

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolfgang Griesert,

sehr geehrte Festgemeinschaft,

lieber Prof. Dr. phil. Jürgen Kriz, lieber Jürgen,

diese Auszeichnung erfolgt nach Anregung durch die Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT)[2]. Diese Anregung (Ende 2018) ist wesentliche Grundlage dieser Verleihung durch den Bundespräsidenten und wird in meinem Grußwort eingebunden sein.

 

Lieber Jürgen Kriz: diese Würdigung an Dich gilt insbesondere Deinem ehrenamtlichen Engagement für die Verbreitung und konkrete Umsetzung humanistischer Ideen, insbesondere der Humanistischen Psychotherapie in Deutschland.

So ist es mir als 1. Vorsitzenden der AGHPT eine sehr große Freude und Ehre, Dir unsere Glückwünsche übermitteln zu dürfen.

Der Ruf nach einer humanistischen Perspektive existentieller Grundfragen ist heute (Corona)

aktueller denn je. Diese humanistische Perspektive ist eine konfrontierende Herausforderung entgegen häufig nur an Messdaten orientierter Denk- und Handlungsweise in Wissenschaft, Forschung, Praxis und Politik.

Zunächst hier einige wenige Facetten zur Etablierung der Humanistischen Psychotherapie:

Die wissenschaftliche Entfaltung und Fundiertheit der Humanistischen Psychotherapie in Deutschland geht auf Deine Wissenschaftsexpertise, Dein Wirken und Entfalten(lassen) zurück.

  • Die schon zum Teil über einem halben Jahrhundert bestehenden Trägerorganisationen der Humanistischen Psychotherapie (Gesprächspsychotherapie/Personzentrierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Integrative Therapie, Körperpsychotherapie, Logotherapie/Existenzanalyse, Psychodrama, Transaktionsanalyse)[3] wurden 2010 durch Deine Expertise als gemeinsames Verfahren unter dem Dach der AGHPT in der Fachöffentlichkeit und für Hilfesuchende noch sichtbarer.
  • 2011 und 2012 wurden durch Dich als international ausgewiesenen Experten die Anträge an den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) fundiert und unmissverständlich wissenschaftlich begründet[4]. Das Ziel: Humanistische Psychotherapie wird für jeden Bürger unabhängig von finanziellen Möglichkeiten frei zugänglich (Kassenanerkennung).Untermauert wurde der Antrag von Deiner gelebten Überzeugung, dass Vielfalt und Gerechtigkeit für alle Menschen ein Leitmotiv im Wissenschaftsdialog sein muss und frei und unabhängig von möglichen Machtinteressen sein sollte.

Die Antwort vom WBP bestätigt nach „6jähriger Prüfzeit hinter verschlossenen Türen“ die Existenz der Grundorientierung Humanistischer Psychotherapie. Die für eine Kassenzulassung notwendige Entscheidung erfolgte bisher nicht. Motive und Begründungen hierfür im Sinne redlicher Wissenschaftsdialoge stehen in Frage.

Auch da bleibst Du nicht stumm!

In weiteren Fachartikeln werden von Dir Brücken zu weiterem Dialog mit fundierter Wissenschaftskritik transparent und einladend kommuniziert und veröffentlicht[5].
Du ermutigst, zu demokratischen Grundprinzipien, wie parlamentarischer Aufsicht und Verantwortung, Fragen zu stellen.

Du übernimmst Verantwortung, um Vielfalt und Sinnfragen zu klären.

Unabhängig davon nehmen 40 Universitätsprofessoren konstruktiv Stellung gegenüber dem WBP, wenn es um das Einfordern von wissenschaftlicher Redlichkeit geht[6].

Löst die Etablierung und zur Verfügungstellung Humanistischer Forschungsergebnisse Angst aus? Aus welcher Motivation heraus?

Lieber Jürgen, schon zu Beginn Deiner Wirkungsreise – und heute umso mehr – ist Deine Expertise national und international anerkannt und wirkmächtig. Dies zeigst Du in Fachbüchern, Artikeln (über 300 wissenschaftliche Publikationen, darunter über 20 Monographien und rund 100 Buchkapitel), sowie in Vorträgen und Lehrinhalten im In- und Ausland[7].
Die bisherigen internationalen und nationalen Auszeichnungen kann ich hier gar nicht erwähnen. Sie sind über die entsprechenden Internet-Quellen aufzuspüren.

Deine von Dir selbst gelebten Standards und Forderungen im Sinne humanistischer Grundwerte an andere sind:

  • Der Mensch steht im Zentrum der Ziele von Wissenschaft und Forschung.
    Wissenschaft muss dem Menschen dienen.
  • Wissenschaft ist nicht ein Selbstzweck hinter verschlossenen Türen.
  • Wissenschaft muss transparent und frei sein von Machtinteressen.
  • Dialogfähigkeit und Redlichkeit sind selbstverständliche ethische Grundprinzipien.

Für die Praxisumsetzung von Forschung und Wissenschaft sind Dir immer die Wirkzusammenhänge für die einzelnen Menschen und deren Sinnfragen und existentiellen Grundlagen bedeutsam.
So beinhaltet Humanistische Psychotherapie, dass die Randbedingungen für konstruktive Selbstorganisationsprozesse bereitgestellt werden. Oder anders, häufig von Dir sinngemäß formuliert: Humanistische Psychotherapie in Wissenschaft und Praxis dient dem Menschen zur Entfaltung seines ureigenen Potentials.
Wissenschaftlich von Dir nachgewiesen und in Verbindung zu existentialistisch-philosophischen Grundlagen (Menschenbild) gilt: der Mensch ist ein mündiger Mensch. Die Basis dafür sind u.a. seine biologischen, sozialen, ökologischen und biografischen Verwobenheiten.

Der Mensch ist in seinem Inneren bestrebt und fähig, frei, verantwortlich und kreativ zu handeln und das über seine gesamte Lebensspanne hinweg – so, wie Du es lebst!
Dabei bedeutsam: Freiheit des Einzelnen ist unmittelbar verbunden mit der ihm innewohnenden Verantwortungsfähigkeit dem Nächsten, der Welt (Kulturgemeinschaft, Natur) und sich selbst gegenüber.

Wenn Dir nun der Bundespräsident– und er hat sicherlich viele auch kritische Kolleginnen und Kollegen und Gremien befragt – das Verdienstkreuz am Bande verleiht, dann ist dies ein wichtiges Signal und Anerkennung für die Bedeutung der Humanistischen Psychotherapie in Deutschland.
Die Auszeichnung ist Auftrag – und ich weiß, dass dies ein sehnlichstes Bestreben von Dir ist – die Humanistische Psychotherapie in Deutschland weiter zu etablieren – und damit den Menschen gleichberechtigt zur Verfügung zu stellen.

Die Verleihung des Verdienstkreuzes ist aber besonders und ausdrücklich die Anerkennung Deiner Leistung, Deines unermüdlichen Engagements, Du bist in Deutschland der Experte für Humanistische Psychotherapie – und für vieles vieles mehr.

Du bist Wissenschaftler, Forscher, Praktiker und Mensch in einer Person.
Und ich weiß, dass Deine Frau Gila diese unermüdlichen Wege mitgegangen ist. Danke, Gila.

Meine Kolleginnen und Kollegen, die Fachverbände und viele, deren Weg Du begleitet hast und dies weiterhin tust, sind stolz auf Dich und freuen sich mit und an Dir für diese Ehrung.

Die Grundwerte humanistischer Psychotherapie in Wissenschaft und Praxis sind für Dich nicht nur ein distanzierter Forschungsgegenstand, sondern sie sind in Dir vereint als Mensch.

Danke Jürgen, dass ich als Kollege und Freund Deine Begleitung und intensive Stimulation
erfahren darf und hier zu dieser hochrangigen feierlichen Übergabe eingeladen bin.

Von Herzen: Glückwunsch!

Karl-Heinz Schuldt

  1. Vorsitzender der AGHPT

Quellen jeweils abgerufen: [24.09.2020]

AGHPT. Antrag wissenschaftliche Anerkennung (2011/2012).
Verfügbar unter https://aghpt.de/antrag-wissenschaftliche-anerkennung/

AGHPT (2020). Verfügbar unter https://aghpt.de/arbeitsgemeinschaft-humanistische-psychotherapie/

AGHPT. Verbandmitglieder (2020). https://aghpt.de/verbandsmitglieder/

Gestalttherapie (2019), Jürgen Kriz. Zur Lage der Humanistischen Psychotherapie. Verfügbar unter https://aghpt.de/wp-content/uploads/Kriz-in-GESTALTTHERAPIE-1-2019-markiert.pdf

GwG (2018). Offener Brief. Verfügbar unter https://www.gwg-ev.org/sites/default/files/GwG_offener_Brief_WBP_2018-02-19.pdf

Wikipedia (2020). Jürgen Kriz. Verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Kriz

[1] Wikipedia, 2020 [24.09.2020]
[2] AGHPT, 2020 [24.09.2020]
[3] AGHPT, Verbandsmitglieder, 2020 [24.09.2020]
[4] AGHPT, Anträge Wissenschaftliche Anerkennung, 2011 u. 2012 [24.09.2020]
[5] Kriz, Kontroverse zum WBP-Gutachten, 2019 [24.09.2020]
[6] GwG, Offener Brief, 2018 [24.09.2020]
[7] Wikipedia, 2020 [24.09.2020]